CISV Sommer

Lange - zu lange - war es jetzt ruhig hier ... bei uns war es aber ganz und gar nicht ruhig! Im Gegenteil!!
Die Kinder hatten heuer einen CISV-Sommer!

CISV? Was ist das? 

CISV ist eine internationale Friedensorganisation, die sich für Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen den Menschen und Frieden zwischen allen Nationen und Völkern einsetzt. Als Non-Profit-Organisation ist CISV weltanschaulich ungebunden und weder parteipolitisch noch religiös orientiert. (Quelle: wien.cisv.at)


So lange weg in dem Alter? Das ist doch viel zu früh!!

Genau so habe ich auch gedacht. Viel zu jung, viel zu weit, viel zu früh. Ein Village kommt nicht in Frage. Aber so ein Interchange? Nur zwei Wochen im anderen Land und dann zwei Wochen bei uns? Das klingt doch gut für unsere 12jährige! 



Herbst 2016

Die Idee faszinierte mich und ich begann mich zu informieren. Ich besuchte Informationsabende, sprach mit Eltern teilnehmender Kinder und Mitarbeitern von CSIV, nahm an Veranstaltungen teil, besuchte das Büro, ... und fand beim besten Willen kein Argument warum meine Kinder nicht teilnehmen sollten. 

Ein Satz einer "Village-Kind-Mutter" blieb dabei hängen: "Die Kinder sind dafür bereit - du bist nicht bereit!"

Meine Große war von der Interchange-Idee sofort begeistert - wenig später wurde die Bewerbung abgeschickt. 

Aber auch die Idee vom Village gefiel mir für unseren Kleinen. 

Er war von der Idee 4 Wochen so weit weg zu fliegen nicht so begeistert, aber er war ja mit seinen 10 Jahren auch noch zu jung für dieses Jahr. 


Frühling 2017

Im Frühjahr wurde die Planung fürs Interchange konkreter: 2017 standen Schweden und Kanada zur Wahl, die Entscheidung viel auf Kanada. Die Österreichischen Familien, Kinder und die Begleitperson (Leader) lernten sich kennen, das Programm für die 2 Wochen in Österreich wurde ausgearbeitet, Flüge wurden gebucht. 

Ein besonderer Höhepunkt der Vorbereitung war das Matching mit den kanadischen Kindern. So lernten wir unser Gastkind samt Familie erst schriftlich kennen, später auch per Video-Telefon. 

Das Village für meinen Sohn (schon immer sehr interessiert an China) ist uns dann "passiert": 

Eines Abends bekam ich eine SMS von CISV: Es wird noch dringend ein 11jähriger Bub für ein Village in China gesucht!

Meine Reaktion: "Oje, jetzt suchen sie noch einen Buben für ein Village in China und du kannst nicht mitfahren. Wie schade, nächstes Jahr ist in China bestimmt kein Village."

Seine Reaktion: "Neiiiiin - Mama ruf an, ich will mitfahren!!"

Ja, puhh... nach ein paar mal drüber schlafen und Klärung offener Fragen begann auch die Vorbereitung für China: Kennenlernen, Scrapbooks basteln, Flüge buchen, ... 


Sommer 2017

Interchange Ottawa, Kanada:

Das Programm begann mit 2 Wochen in Kanada. Die Anreise lief problemlos, leider stellte sich rasch heraus, dass meine Große an Heimweh leidet. :-(
Nach einigen Tagen wurde es aber besser und sie konnte ihre Zeit in Kanada doch noch genießen. 

Programm in Kanada:

Feierlichkeiten zum Canada-day, Sightseeing, Besuch der Österreichischen Botschaft, Shopping, Camping, activity mit social aspect, Familienwochenende mit tubing am See, Picknick, mehr tubing am See, ... 

 

Der Gegenbesuch stand dem Aufenthalt in Ottawa um nichts nach:

 

Auch unser kanadisches Gastkind litt in der ersten Zeit an Heimweh. 

Programm in Österreich:

Prater, Sightseeing, gemeinsames Minicamp, Shopping, activity mit social aspect: Shades-Tours (sehr zu empfehlen!!), mehr Sightseeing, Familienwochenende mit Zotter Schokofabrik, Mariazell, Sommerrodeln, schwimmen, ...

Village China:

Die Anreise war leider etwas länger als erwartet, aufgrund der zahlreichen Flugverspätungen der China Air dauerte die Anreise nach Guanghzou über 30 Stunden. 
Er hatte laut eigenen Angaben nur in der ersten Nacht Heimweh, dann war dazu keine Zeit mehr. 

Die Kommunikation am Camp zwischen Leader und Eltern war leider nur sehr sporadisch, das lag unter anderem daran, dass in China viele eMail-Provider und Internetseiten geblockt sind. 
Unter dem Motto "keine Nachrichten sind gute Nachrichten" bekamen wir per Whatsapp einige Fotos pro Woche. 



Fazit nach dem Sommer:
Wahnsinn was man in 4 Wochen alles fürs Leben lernen kann!

Interchange:

  • Selbstständigkeit
  • Selbstvertrauen
  • Heimweh überwinden
  • Andere Kulturen: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
  • Auch wenn CISV kein Englischcamp ist: meine Große konnte ihre Englischkenntnisse zum ersten mal "in echt" ausprobieren. Wir sind zwar regelmäßig in England, aber alleine und ohne Mama und Papa ist das was ganz was anderes. Sie hat gelernt, dass es nicht wichtig ist grammatikalisch richtig zu sprechen sondern überhaupt zu sprechen. Ihr Englisch ist ausgezeichnet! :-)
  • die eigene Stadt besser kennenlernen
  • Fremdbild / Selbstbild

Village:

  • Selbstständigkeit
  • Selbstvertrauen
  • viele neue Kulturen 
  • Heimweh überwinden
  • Englisch!!! 
    Er hatte bis jetzt nur Volksschulenglisch - nach 4 Wochen konnte er in ganzen Sätzen sprechen!
  • viel persönliches, positives Feedback der anderen Campteilnehmer
  • viele neue Freunde
  • Verhandeln (Mitbringsel tauschen ist ganz wichtig auf einem Village!)


Auch für uns als Eltern war das ein äußerst lehrreicher Sommer:

Wir lernten:

  • Loslassen
  • Heimweh aushalten (vom eigenen Kind)
  • Heimweh lindern (vom Gastkind)
  • Die Kinder können viel mehr als wir ihnen zutrauen
  • Kindern Vertrauen schenken
  • dass der Satz "Keine Nachrichten sind gute Nachrichten" gelebt wird

Aus meiner Sicht war das sehr gut investiertes Geld. Was die Kinder in diesem Sommer erlebt haben, kann man in keiner Schule lernen. Das sind Erfahrungen, die sie nie vergessen werden. Beide Kinder wollen wieder mit CISV fortfahren. Ich kann die Weisheit, die ich von einer Village-Kind-Mutter gehört hatte nur bestätigen: Die Kinder sind bereit und ich bin es jetzt auch.

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